Unternehmen arbeiten mit zahlreichen externen Partnern zusammen – von Lieferanten über IT-Dienstleister bis hin zu Beratern. Jede dieser Beziehungen kann Risiken mit sich bringen, etwa Cyberangriffe, Datenschutzverstöße oder regulatorische Probleme.
Third Party Risk Management (TPRM) bezeichnet den strukturierten Ansatz, mit dem Unternehmen Risiken aus diesen Geschäftsbeziehungen identifizieren, bewerten, steuern und kontinuierlich überwachen.
Definition: Was bedeutet Third Party Risk Management?
Das Risikomanagement für Drittanbieter ist ein zentraler Bestandteil des unternehmensweiten Risikomanagements und gewinnt durch regulatorische Anforderungen (z. B. DORA oder ESG) zunehmend an Bedeutung. Je nach Kontext wird Third Party Risk Management auch als Lieferantenrisikomanagement bezeichnet, wobei der Begriff „Drittanbieter“ umfassender ist und alle externen Geschäftspartner einschließt.
Ein TPRM-Programm umfasst typischerweise:
- Erfassung aller Drittanbieter
- Bewertung und Priorisierung von Risiken
- Definition von Kontrollmaßnahmen
- Laufende Überwachung und Dokumentation
Welche Informationen werden im Third Party Risk Management erfasst?
Programme im Bereich Third Party Risk Management unterscheiden sich je nach Unternehmensgröße, Branche und regulatorischen Anforderungen. Dennoch gibt es bewährte Vorgehensweisen sowie bestimmte Informationen, die typischerweise erfasst werden.
Grundlegende Unternehmens- und Vertragsdaten
- Stammdaten wie Name und Geschäftszweck
- Art und Umfang der Zusammenarbeit
- Verträge mit Lieferanten und Dienstleistern
- Zertifizierungen und Sicherheitsnachweise
Dynamische Risikodaten und externe Signale
Ein modernes Risikomanagement für Drittanbieter berücksichtigt auch externe Entwicklungen, die das Risikoprofil beeinflussen können:
Zentrale Vorteile des Third Party Risk Managements
Mit zunehmender Auslagerung von Geschäftsprozessen steigt die Abhängigkeit von Drittanbietern. Ein effektives Risikomanagement hilft Unternehmen, Risiken frühzeitig zu erkennen und die Stabilität ihrer Lieferketten und Geschäftsbeziehungen zu sichern.
Mit geeigneter TPRM-Software behalten Unternehmen den Überblick über alle Lieferanten und Dienstleister und stellen sicher, dass Sicherheits- und Compliance-Anforderungen effizient erfüllt werden. Gleichzeitig ermöglicht die Automatisierung des Onboardings eine schnellere und strukturierte Aufnahme neuer Drittanbieter.
Transparenz über alle Drittanbieter
Ein strukturiertes Risikomanagement für Drittanbieter ermöglicht die kontinuierliche Überwachung von Lieferanten, Partnern und Dienstleistern über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg.
Frühzeitige Risikoerkennung durch Daten und Monitoring
Moderne TPRM-Lösungen helfen dabei, Trends frühzeitig zu erkennen und potenzielle Probleme zu identifizieren, bevor sie eskalieren. Über zentrale Dashboards lassen sich Prozesse wie Due Diligence effizient steuern.
Effizientere Steuerung von Risiken
Durch die zentrale Zusammenführung relevanter Daten können Risiken schneller bewertet und gezielt gesteuert werden. Gleichzeitig lassen sich TPRM-Lösungen in bestehende Systeme wie CRM oder SCM integrieren.
Drittanbieterrisiken vorausschauend steuern
Ein wirksames Third Party Risk Management sollte nicht nur auf Vorfälle reagieren, sondern Risiken frühzeitig erkennen und aktiv steuern. Ein proaktiver Ansatz hilft Unternehmen, Probleme mit Drittanbietern zu identifizieren, bevor sie geschäftskritisch werden.
Risiken von Lieferanten systematisch bewerten
Nicht alle Drittanbieter haben den gleichen Einfluss auf Ihr Unternehmen. Deshalb sollten sie im Third Party Risk Management nach Risiko und strategischer Bedeutung klassifiziert werden. Viele TPRM-Tools unterstützen dabei, neue Lieferanten automatisch anhand ihres Einsatzbereichs und Risikoprofils einzuordnen.
Zur Bewertung sollten Unternehmen unter anderem folgende Fragen berücksichtigen:
- Erbringt der Drittanbieter kritische Leistungen, deren Ausfall den Geschäftsbetrieb beeinträchtigen würde?
- Hat der Lieferant Zugriff auf sensible oder personenbezogene Daten?
- Besteht ein Vertrag mit hohem finanziellen oder strategischen Wert?
Typischerweise werden Risiken in drei Stufen unterteilt:
- Stufe 1 – hohes Risiko, hohe Priorität
- Stufe 2 – mittleres Risiko, mittlere Priorität
- Stufe 3 – geringes Risiko, geringe Priorität
Drittanbieter der Stufe 1 unterliegen strengeren Sorgfaltspflichten und einer intensiveren Risikoprüfung.
Ganzheitliche Risikobewertung und kontinuierliches Monitoring
Eine ganzheitliche Risikobewertung im Third Party Risk Management geht über Cyberrisiken hinaus und berücksichtigt alle Faktoren, die Stabilität und Geschäftskontinuität beeinflussen. Durch automatisierte Überwachungsprozesse lassen sich Risiken kontinuierlich verfolgen, effizient steuern und Kosten reduzieren.
- Onboarding von Lieferanten: Standardisierte Formulare und Systemintegrationen erleichtern die strukturierte Aufnahme neuer Anbieter.
- Maßnahmen zur Risikominderung: Bei identifizierten Risiken können automatisch Verantwortliche benachrichtigt und Maßnahmen initiiert werden.
- Regelmäßige Neubewertungen: Automatisierte Prüfzyklen stellen sicher, dass Drittanbieter dauerhaft den Anforderungen entsprechen. Bei Abweichungen kann ein strukturierter Offboarding-Prozess eingeleitet werden.